Richard-Riemerschmid

Die Person: Richard Riemerschmid

Richard Riemerschmid erlangte seinen europaweiten Bekanntheitsgrad vor allem wegen seiner architektonischen Leistungen, die nicht nur durch ihre Innovation und Progressivität, sondern auch durch ihre aussergewöhnliche Ästhetik und der Liebe zum Detail hervorstachen.

Zunächst studierte er Malerei, sein Wissen über Architektur eignete er sich größtenteils autodidaktisch an. So sehr es ihn reizte, Häuser zu entwerfen und zu bauen, so sehr fühlte er sich auch von sich selbst vor eine grosse Aufgabe gestellt, von der er nicht wusste, ob er ihr gewachsen war.
Doch von diesem Respekt und der anfänglichen Zurückhaltung der Architektur gegenüber ist schon in seinem ersten Bauwerk nichts zu erkennen:
Riemerschmid gestaltet sein erstes Haus 1985 in Pasing (München) für sich selbst. Vom Grundriss bis hin zu den kleinsten Details der Inneneinrichtung entwirft und baut er alles selbst.

Im Zeichen den Jugendstils scheint jedes Fenster und jeder Balkon zu stehen, jede Tür der Villa Pasinger ein Organ des Bauwerks zu sein. Das Gebäude selbst scheint ein wie floraler Bestandteil des Grundstücks, als würde die Villa dort gewachsen sein. Es scheint, als würde sie sich mit ihrem Haupt- und ihren zwei Nebengebäuden ihren ausladenden Innenhof schlingen und fügt sich somit weich und freundlich in das Landschaftsbild ein, ohne dabei an Erhabenheit, Extravaganz und Anmut zu verlieren.

Schon dieser erste Bau war ein Durchbruch für Riemerschmid. Er fand grossen Zuspruch beim architekturinteressierten Publikum und in der Kunstszene und schon bald folgten Aufträge für weitere Villen, vorwiegend für Privatleute. 1926 wurde Riemerschmid endgültig zu einem Star in der Baukunst.
Er erhielt den Auftrag, das erste Funkhaus der Welt in München zu bauen. Sein Stil veränderte sich hier merklich, er verlor an Verträumheit und wunde kantiger und geradliniger, gewann aber an Eleganz. Die detailreiche Ausschmückung des Funkhauses wirkt nüchterner, dennoch edel und durchdacht.

Als Gestaltungsmittel setzte er hier Sichtbeton und auch Leuchtstoffröhren ein, was damals von der Presse teilweise als Provokation gewertet und getadelt wurde, doch er selbst verwirklichte seine Visionen und sprach von "ästhetisch befriedigender einfacher Sachlichkeit", welche er hier anstrebte, was in der modern gewandeten klassischen Gestaltung deutlich wird.
Wirklich revolutionär ist Riemerschmids Lösung im Inneren des Funkhauses, wie zum Beispiel die Architektur der Wendeltreppe, die alle Etagen miteinander verbindet. Die Helix, welche die Grundform der Treppe bildet, ist hier nicht etwa klassisch rund oder quadratisch, sondern vielmehr oval. Ihre Windungen schlingen sich um eine Achse aus auffälligen, wunderschönen Lichtinstallationen, die vom Boden bis zum Dach des Hauses reichen.

Eine massgebliche und höchst innovative Entwicklung des Allroundkünstlers Riemerschmid war die Konstruktion von industriell hergestellten Fertighäusern, bei denen er höchsten Wert darauf legte, dass ihre Produktion und ihr Aufbau schnell abzuwickeln und gleichermassen kostengünstig waren und dabei seinen hohen Ansprüchen an Qualität und Beständigkeit genügten.

Schauen Sie einen Film über Richard-Riemerschmids Leben und Werke.

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