EU-Projekte

Hannah Rodenbüsch: Leben in Helsinki

Hannah Rodenbüsch in Helsinki

Drei Monate Finnland, Helsinki um genau zu sein: Das hört sich lang an, aber wenn man erstmal dort ist, vergeht die Zeit viel zu schnell. Bekanntlich ist ja aller Anfang schwer. So ist das auch, wenn man sich dazu entscheidet, für längere Zeit in einem fremden Land zu leben – so könnte man zwar meinen, dass sich die meisten europäischen Länder nicht sonderlich unterscheiden, man wird aber früher oder später trotzdem von einem kleinen oder größeren Kulturschock eingeholt.

Wenn man zum Beispiel im Bus sitzt und einem plötzlich klar wird, dass man um sich herum nichts versteht, weil jedes finnische Wort aus unverhältnismäßig vielen Umlauten besteht und die Buslinien des Nachts „heimlich“ die Nummern und Routenpläne austauschen, damit man es nach einer Woche immer noch nicht schafft, die richtige Verbindung zu nehmen und jedes Mal woanders landet, obwohl man sich am Morgen noch gesagt hat: “Ja, und heute nehmen wir mal den RICHTIGEN Bus!” …

Tja, da hilft es dann auch nicht, dass einen irgendwie alle anstarren, wenn man lächelt oder lacht. Das machen die Finnen nämlich nur unter Alkoholeinfluss. Ich glaube, dass das am Wetter liegt. Hat man sich sieben Tage lang über den schönen Schnee gefreut, geht er einem am achten Tag dann doch auf den Geist. Aber wehe, die Sonne lässt sich mal blicken, dann holen die Finnen natürlich gleich ihre verstaubten Sonnenbrillen raus. Im Lidl zum Beispiel, der wenigstens ein bisschen Heimatgefühl vermittelt, nehmen sie sie dann aber wieder ab, sonst sehen sie ja nicht, wo sie hin laufen und rempeln dich versehentlich an… Nein, Moment das tun sie sowieso.

Sollte man sich aber tatsächlich mal böse verirren, (was höchstwahrscheinlich keinem erspart bleibt) sind die Finnen sehr hilfsbereit und freundlich. In den meisten Fällen sprechen sie verständliches Englisch, sodass man auch gut und gerne mal in eine längere Konversation verwickelt wird. Smalltalk ist zwar nicht so gerne gehört, trotzdem wird man meistens sehr herzlich in’s Gespräch integriert.

Die Arbeit in der finnischen Agentur war entspannt – wir sind wahrscheinlich den deutschen Arbeitsmut gewohnt, so waren die Chefs immer überrascht, wenn man mit der gestellten Aufgabe noch am selben Tag fertig war und dann mühten sie sich ab, einen beschäftigt zu halten.

Alles in Allem darf man natürlich kein Volk über einen Kamm scheren und wenn man sich für Finnland entscheidet, sollte man unvoreingenommen bleiben. Man wird am Ende sehr sehr positiv überrascht!

Hannah Rodenbüsch, AS3M1, 2015