Berufliches Gymnasium, Projekte

Die G12 im Planspiel »Festung Europa«

Die G12 im Planspiel »Festung Europa«

Am Montag, den 04.05.2015, hatten die Klassen G12-1 und G12-2 angeleitet durch Frau Danyel und Herrn Schäfer die Möglichkeit, im Planspiel »Festung Europa« aktuelle Herausforderungen der europäischen Flüchtlingspolitik zu diskutieren und die Schwierigkeiten bei der gemeinsamen Lösungsfindung zu erleben.

Ziel der Simulation war es, möglichst eine gemeinsame Lösung zum europäischen Umgang mit Flüchtlingen und zur Verhinderung des Sterbens im Mittelmeer zu finden. Hierfür schlüpften die Schülerinnen und Schüler in die Rollen verschiedener EU-Länder sowie der EU-Kommission und vertraten in Diskussionen die Positionen ihres Landes, versuchten in kleinen Verhandlungen und Absprachen, Allianzen mit weiteren Staaten zu bilden oder Kompromisse zu finden. Bereits nach kurzer Zeit war allen klar: Es würden langwierige und hitzige Verhandlungen werden und um überhaupt einen Konsens zu finden, waren einige Kompromisse notwendig.
Die Presse hielt die Verhandlungspartner durch ihre Berichterstattung ständig auf dem Laufenden, auch wenn die Schlagzeilen nicht immer angenehm für die Staatschefs waren. So konnte man Dinge wie: »Keine Unterstützung für den Süden« oder »Ungarn gegen Flüchtlingsaufnahme« lesen.

In der finalen Abstimmung, bei der jede Entscheidung einstimmig getroffen werden musste, konnte man sich schließlich darauf einigen, die Frontex-Mission mit Unterstützung aller EU-Länder auszuweiten. Diese Entscheidung war letztendlich nur durch ein Einlenken Portugals möglich, das eigentlich gegen die Ausweitung war, aber den europäischen Gedanken unterstützen und sich solidarisch verhalten wollte. Der Aufbau eines gemeinsamen europäischen Flüchtlingsfonds scheiterte an Ungarn, da diese aufgrund ihrer finanziellen Lage zu keiner Beteiligung bereit waren. Weitere mögliche Lösungen, wie die Änderung des Dublin II-Abkommens oder eine Quotenregelung zur Flüchtlingsverteilung, waren relativ schnell vom Tisch, weil sich im Verhältnis nur wenige Länder dafür aussprachen.

In der abschließenden Reflexion wurde nicht nur deutlich, dass manch einer Schwierigkeiten mit der Rolle »seines« Landes gehabt hatte (insbesondere Ungarn war mit seiner rechtspopulistischen Politik eine besondere Herausforderung), sondern auch die Problematik der gemeinsamen Entscheidungsfindung innerhalb der EU wurde herausgestellt:

„Mir war nicht bewusst, dass ein Lösungsvorschlag durch die Gegenstimme eines einzigen Landes abgelehnt werden kann. Es war ein bisschen unangenehm selbst dieses Land zu sein, aber ich musste ja unsere Interessen vertreten.“

„Gerade in der Flüchtlingsfrage scheint es schwer eine gemeinsame Lösung zu finden, da man hier das Gefühl hat, dass sich die nördlichen Staaten Europas gegen die Vorschläge der Mittelmeerstaaten stellen, die sich wiederrum alleingelassen fühlen. So wird eine Lösung natürlich schwierig.“

„Ich habe mich immer gefragt, warum man einfach nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommt und sich meist lediglich für minimale Schritte entscheidet. Wenn man ehrlich ist, sind wir heute auch nicht weiter gekommen. Wir haben uns auf den kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt.“

Bei einer Sache waren sich zum Schluss nach den langen und kontroversen Diskussionen alle einig: Durch das Planspiel wurden die Entscheidungsprozesse der Europäischen Union für alle nachvollziehbarer und verständlicher. Eine wirklich lohnenswerte Erfahrung.

Die G12 im Planspiel »Festung Europa«Die G12 im Planspiel »Festung Europa«Die G12 im Planspiel »Festung Europa«Die G12 im Planspiel »Festung Europa«Die G12 im Planspiel »Festung Europa«