Betriebspraktika, EU-Projekte

Carina Silz:
Wien, Depot und ich

Carina Silz in Wien

Vorbereitung:

Im Winter 2014 habe ich das erste Mal von der Möglichkeit erfahren, dass auch ich als Berufsschüler nun ein Auslandspraktikum absolvieren kann. Die einzige Bedingung, die Erasmus vorgibt, ist, dass man wenigstens zwei Wochen vor Ort ist.

Die Förderungshöhe ist natürlich von Land zu Land unterschiedlich. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich mit meinem Betrag für Österreich auch ohne private Zuschüsse ausgekommen wäre. Außerdem erhält man noch eine Reisekostenpauschale zusätzlich zu dem Förderungsbetrag. Ich habe sehr früh meine Bahnticketes gebucht, sodass ich für Hin- und Rückfahrt inklusive Sitzplatzreservierung nur 87 € bezahlt habe – da kann man nicht meckern!

Man erhält übrigens einen pauschalen Betrag und was man daraus macht, bleibt einem selbst überlassen. Nach dem Aufenthalt muss man ledigleich alle Quittungen(z.B. Bahntickets, Unterkunftsbescheinigung) zum Nachweis des Praktikums vorlegen.

Vor Reiseantritt war natürlich ein bisschen Papierkram zu erledigen aber es hielt sich bei mir echt in Grenzen, da ich auch ein Praktikum innerhalb meines ausbildenden Betriebs gemacht habe. Wenn man bei einem großen Unternehmen arbeitet, bietet sich das natürlich an, wenn man auch vor hat, nach seiner Ausbildung im Unternehmen zu bleiben nur eventuell im Ausland zu arbeiten. Ich musste somit keine Bewerbungen schreiben, sondern nur intern ein gewisses Engagement zeigen und daher gab es auch keine Zweifel darüber, ob ich mir Urlaub für dieses Praktikum nehmen muss, da meine Arbeitsstunden Firmenintern verbucht werden konnten.

Sobald man den Vertrag mit Erasmus unterschreibt bekommt man innerhalb von zwei Wochen den Förderungsbetrag (zunächst 80 Prozent, den Rest, abzüglich einer Versicherungspauschale erhält man nach Beibringung der Nachweise über die Reise) überwiesen und man kann die Unterkunft etc. buchen.

Die Unterkunft:

Ich habe mir über die Internetseite „Airbnb“ ein WG- Zimmer bei sehr netten wiener Architekturstudenten gemietet. Ich konnte die ganze Wohnung, samt Küche, WLAN, Waschmaschine etc. nutzen und hatte gleich vom ersten Tag an sehr nette Mitbewohner, die sich bestens auskennen in Wien und mir so manch einen Geheimtip verraten haben, fernab der üblichen Touristenattraktionen.

Für zwei Wochen habe ich dort 500€ (inklusive Airbnb Bearbeitungsgebühr)- nicht wenig, aber dafür super zentral gelegen am Karlsplatz und sehr gepflegt!

Arbeiten in der Filiale:

Da mein Ausbildungs- und Praktikumsbetrieb identisch waren, wusste ich genau, auf was ich mich einließ. Wer jetzt aber denkt, dass das leicht langweilig sein könnte: Weit gefehlt! Andere Länder, andere Sitten. Es gibt tatsächlich nennenswerte Unterschiede. Natürlich nicht erwähnenswert innerhalb dieses Berichts, aber sehr lehrreich für meine berufliche Zukunft und meinen allgemeinen Kenntnisstand über mein mich ausbildendes Unternehmen.

Ich nehme viele Erfahrungen mit, neue Ideen und vor allen Dingen auch das schöne Gefühl, sehr liebe Kollegen kennengelernt und mich persönlich weiterentwickelt zu haben.

Alltag und Freizeit:

Natürlich stand auch bei mir eine klischeehafte Touritour an: Schloss Schönbrunn, Naschmarkt, Hundertwasserhaus, Schloss Belvedere, Stephansdom, Wiener Oper etc.!

Allerdings muss ich sagen, dass wohl mein schönstes Erlebnis stattfand, als ich nach einem Arbeitstag- der sehr früh anfing-noch ins „Arbeiterstrandbad“(direkt an der Donauinsel) ging.

In den zwei Wochen waren es druchweg nie unter 35 Grad: Daher war Schwimmen eine tolle Alternative zum Sightseeing!!

Ich saß nun also an diesem besagten Tag ein wenig erschöpft auf der Wiese und genoss die Sonne gleich entlang der Donau. Da kam ein kleiner Junge zu mir und fragte mich, ob ich aus Deutschland sei. Ich schaute ihn verdutzt an. Er lief davon und kam mit seiner Mama an der Hand wieder. Diese wiederum erkannte ich wieder als Kundin vom Vortag, der ich anscheinend so nett weitergeholfen hatte, dass sie mir jetzt zwei Mirabellenknödel schenkte! Wir unterhielten uns kurz und danach genoß ich in der Sonne die zwei hausgemachten Knödel, die ich bereits aus meiner Kindheit aus Österreich kannte. Ich kann nur unterstreichen, warum ich nach Östrereich wollte: Die Mentalität ist toll. Herzliche Menschen – sogar die Wiener, die über sich selbst behaupten, hochnäsig zu sein ! 🙂

Fazit:

ES HAT SICH GELOHNT!

Ich habe viel über die Wiener und die österreichische Kultur gelernt, eben gerade weil ich wie einer von ihnen morgens früh zur Arbeit fuhr, im Supermarkt um die Ecke abends mein Essen einkaufte und schon bereits nach wenigen Tagen Aufenthalt den ersten Touristen den Weg zu Schloss Schönbrunn erklärte! Es ist etwas ganz anderes in einem Land zu arbeiten und einen ganz normalen Alltag zu leben, als dort Urlaub zu machen.

Ich kann jedem diese Erfahrung und Möglichkeit durch Erasmus gefördert zu werden, nur ans Herz legen.

Ich bin froh, dass ich diesen Schritt gemacht habe und gerade an diesem Bericht (eine der wenigen Bedingungen, die man erfüllen muss) schreiben darf.

Anerkennung:

Ich erhalte nach meinem Praktikum einen Europass (Mobilitätsnachweis). Diesen kann ich dann auch offiziell bei Bewerbungen anfügen. Außerdem erhält man natürlich eine Praktikumsbescheinigung, die vom Betrieb vor Ort ausgefühlt werden muss.

Carina Silz, GE-M1, 2015